Altes Hotel Zippendorf Schwerin

Lost Places in Schwerin: eine Radtour

       Lost Places in Schwerin – davon gibt es einige, Und es lohnt sich definitiv, die Großstadt mal zu verlassen, um einen Tag in der mecklenburgischen Landeshauptstadt umher zu radeln und die mystischen Orte zu entdecken. Das Fahrrad ist hier der ideale Begleiter, da man so auch entlegene Orte erreicht, gleichzeitig tut es der Umwelt und der Gesundheit gut. Außerdem finde ich, ist das Fahrrad sowieso am Besten geeignet, um eine Stadt zu erkunden.

Die Plätze haben wir uns übrigens aus dem Buch Lost & Dark Places Mecklenburg von Oliver Hübner herausgesucht. Da eine Karte integriert ist, konnten wir vorher genau sehen, wie weit die Plätze voneinander entfernt sind und was innerhalb eines Tages entspannt machbar ist. Die einzelnen Lost Places haben wir vorher bei Google Maps eingegeben und konnten somit eine perfekte Route planen. Falls ihr interessiert an Lost Places seid, kann ich euch dieses Buch von Herrn Hübner sehr ans Herz legen.

Das hier ist ein Tourenvorschlag für eine Lost Place Tour mit dem Fahrrad, die wir im Sommer 2023 unternommen haben.



Station 1: Ein altes Postgebäude in der Einkaufsstraße

Vom Bahnhof fuhren wir in Richtung Pfaffenteich. In der Haupteinkaufsstraße konnten wir den ersten Lost Place bestaunen: Ein altes Postgebäude, welches allerdings aufgrund des Leerstands ein Lost Place ist. Es ist noch sehr gut erhalten und hat wenig mit dem klassischen Grusel-Place zu tun. Dennoch ist es eine Reise wert, zumal immer noch kleine weiße Glöckchen den Turm zieren; Zeugen der ersten Fernmeldetechnik. Seit Anfang 2023 wird das Gebäude saniert, in einigen Jahren sollen hier schon wieder reges Treiben herrschen: Beamte und Bedienstete der Landesverwaltung sollen hier künftig arbeiten.

Den Pfaffenteich im Rücken, fahren wir nun die Einkaufsstraße hinunter – es ist Sonntag und daher ist hier wenig los. In dem oben genannten Büchlein wird noch ein altes Kino erwähnt – wir fahren also zur Hausnummer 53 der Mecklenburgstraße und entdecken…ein mit Bauplane zugehängtes Gebäude. 🙃 Hier gibt es also leider nichts (mehr zu sehen). Wir wir bei Wikipedia nachlesen, wurden die alten Kino-Säle bereits 2021 abgerissen.

GPS-Daten: 53.6300, 11.4126

Altes Postgebäude

Station 2: Ein Lost Place wie er im Buche steht: Der alte Flugplatz Schwerin-Görris

Weiter geht es Richtung Südwesten. Ziel: Der alte Flugplatz Schwerin-Görries in der Zeppelinstraße. Wir verlassen mit unseren Rädern den Stadtkern, fahren durchs Industriegebiet und stehen erstmal ratlos vor einem völlig falschen Gebäude. Ein Mann beobachtet uns, vermutlich fragt er sich, was wir hier machen. Ich schaue nochmal genauer bei Maps nach und wenige Minuten später stehen wir vor einem Lost Place wie er im Buche steht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dieser Ort ist wirklich ein Lost Place, wie man sich ihn wünscht: An einem abgelegenen Ort mit noch deutlich erkennbaren, aber heruntergekommenen Gebäuden. Gesichert ist das Gelände durch einen Bauzaun, der bereits einige Schlupflöcher ausweist.

Hier steht ein Flugzeughanger (Flugzeughallen) und ein Flugaufsichtsgebäude. 1913 eröffnete der Flugzeughersteller Anthony Fokker hier eine Flugschule einschließlich Zuschauertribüne und Restaurant.

Von 1935 bis 1945 diente der Flugplatz als Fliegerhorst der Luftwaffe der Wehrmacht.
Im August 1944 und im April 1945 zerstörten amerikanische und britische Bomben die meisten Gebäude des Flugplatzes.

GPS-Daten: 53.6123, 11.3765

Flugzeughanger

Station 3: Lost Place Dreisternebunker – nur wo ist er denn?

In Richtung Südosten fahren wir weiter. Nun geht es in den Wald. Die kühle Luft tut an einem warmen Sommertag wie diesem gut. Wir sind auf der Suche nach dem Dreisternebunker Stern Buchholz und finden schließlich sechs Hügel mit Lüftungsschächten. Wir lesen im Buch, dass die Eingänge zu den Bunkern bereits vor Jahren zugeschüttet wurden, Hallen und Güterbahnhof wurden geräumt und Kiefern angepflanzt. Dieser Ort ist als Lost Place daher auch eher unspektakulär. Man kann in die Lüftungsschächte gucken und entdeckt…Nichts 🙃.
Gebaut wurde dieser Bunker in Vorbereitung auf den zweiten Weltkrieg, anschließend wurde er von der Roten Armee genutzt. Im Buch wird eine Geocaching-Jagd von vor 15 Jahren beschrieben. Damals konnte man noch in die Bunker hinein gehen und es schien äußerst aufregend gewesen zu sein. Mithilfe dieses Erfahrungsberichts, ist es einfacher, sich hier etwas vorzustellen, was nicht mehr sichtbar ist. Ohne diesen Text wirkt der Platz einfach nur unscheinbar. Auch die Bunker-Eingänge wurden mittlerweile zugeschüttet – wo genau sie sich befanden lässt sich allerdings nur spekulieren.

GPS-Daten: 53.5752. 11.4453

Falls ihr eine Lost Place Tour durch Schwerin plant, würde ich diesen Teil vielleicht auslassen und direkt Richtung Zippendorf zum Strand fahren.

Dafür haben wir einen Lost Place verpasst, der direkt auf dem Weg gelegen hätte und vermutlich auch gar nicht mehr allzu lange existieren wird: Die alte SED-Parteischule:

GPS-Daten: 53.598089, 11.456455

„Lost Place“ in Schwerin soll bebaut werden. Ehemalige Parteischule soll Wohnquartier werden.


Lost Places Schwerin: Zwei Hotels, bei denen man ins Schauern kommt

Das Strandhotel

Wir fahren etwa zwanzig Minuten nach Zippendorf und freuen uns auf eine Badepause. Es ist voll am Strand, viele Familien nutzen den Sonntag für eine kleine Auszeit am See.
Nach einer kleinen Erfrischung im Schweriner See, fahren wir die Straße „Am Strand“ ein Stück hinunter und machen vor dem Zippendorfer Strandhotel halt. Das strahlende Blau der Markisen steht im Kontrast zu dem Verfall des Hotels. Es scheint hier in bester Lage zu stehen.
Im Jahre 1911 eröffnete es sein Pforten und hatte seine Glanzphase nach dem ersten Weltkrieg, als der unattraktive Strand mit Ostseesand aufgeschüttet wurde. Es war einst ein modernes Hotel, mit einigen Salons und elektrischem Licht. Das Hotel überlebte auch den zweiten Weltkrieg und wurde nach Gründung der DDR schließlich in „Hotel am Strand“ umbenannt.  1990 wurde es saniert, jedoch kamen nach der Wende zu wenig Gäste und 2004 musste das Hotel schließlich seine Türen schließen. Seitdem steht es leer. Da es unter Denkmalschutz steht, kann es auch nicht einfach abgerissen werden. Für einige ist es ein Schandfleck am schönen See für andere – einschließlich uns – ein Lost Place, der von geschichtsträchtigen Zeiten erzählt.  Dieses Hotel hat Weimarer Republik, die NS-Zeit und die DDR überlebt – Irgendwie ist es also auch ein stiller, steinerner Zeitzeuge, oder?

Aktuell plant ein neuer Investor die Wiederbelebung des Hotels. Ob es dazu kommen wird, steht wohl in den Sternen. Schließlich hat es immer wieder Pläne für eine Wiederbelebung des Hauses gegeben, darunter auch schon die Idee, eine Online-Uni zu etablieren.

GPS-Daten: 53.6024, 11.4560

➡️ So hat das Hotel früher ausgesehen

Kurhotel

Nach dem ausgiebigen Bestaunen des Hotels, verlassen wir die Strandstraße und fahren durch die Bosselmannstraße wieder zur B321. Von dieser nehmen wir einen kleinen Schleichweg, der uns direkt vor den Bauzaun führt, durch den wir das einstige pompöse Kurhotel Schwerin in seiner vollen Lost-Place-Pracht erblicken können. Schon vom Strand und Wasser aus, hatten wir es erspähen können:  Auf einer Anhöhe gelegen ragt es über den Badenden unheilvoll zwischen den Bäumen hervor.

Bereits ein Jahr vor dem Strandhotel wurde es erbaut, im Jahre 1910. Seine Geschichte und sein Schicksal ist fast identisch mit jener vom Strandhotel. Bei Eröffnung wurde es mit den „neuzeitlichen Einrichtungen“ beworben. Doch auch hier unterbrach der erste Weltkrieg den touristischen Boom – erst in den 1920er Jahren entwickelte sich der Betrieb wieder positiv – was auch damit Zusammenhängen mag, dass von 1921 an die Straßenbahn bis Zippendorf fuhr. Doch Ende der 20er Jahre begann die Weltwirtschaftskrise und der Inhabe Schwarz musste Konkurs anmelden. Das Hotel wurde zwangsversteigert. Max Otto Kirst wurde neuer Inhaber, unter ihm lag die Auslastung des Hotels jedoch nur bei gut 5 %. Im zweiten Weltkrieg kamen im Hotel sudetendeutsche Flüchtlinge unter, anschließend wurde es von der Luftwaffe beschlagnahmt und schließlich zu einem Lazarett umfunktioniert. Nach dem Krieg wurde das Hotel als Erholungsheim für ehemalige KZ-Häftlinge genutzt.

1956 bis 1984 nutzte der Sportverein SC Traktor Schwerin das ehemalige Hotel als Klubhaus und Wohheim für Sportler.

Seit den 1990er Jahren gab es immer wieder Verkäufe, Investoren und Pläne für das Hotel, die jedoch alle scheiterten, aktuell sucht ein Architekt nach Investoren für die Wiederbelebung des Hotels.

GPS-Daten: 53.60237, 11.4508


Zurück zum Bahnhof, vorbei am Schloss

Wir fahren schließlich auf dem Franzosenweg zurück in die Schweriner Innenstadt. Der Franzosenweg wurde übrigens nach den Franzosen benannt, die 1870/71 auf der Insel Kaninchenwerder gefangen gehalten wurden und diesen Weg erbauen mussten.

Es ist ein wunderschöner Weg, zur rechten Hand liegt der Schweriner See, der immer wieder durch die Bäume blinzelt, zur linken Hand fahren wir ein Stück am Faulen See entlang, auf dem wir eine Fotografin beobachten, wie sie versucht den Abflug der Reiher einzufangen.

Und schließlich erstrahlt das Schweriner Schloss uns entgegen – schöner kann eine Radtour nicht enden!

Wir fahren wieder in die Innenstadt um in der Vegan Bar leckeres veganes asiatisches Essen zu genießen. Ihr sehr: Lost Places sind in Schwerin nicht rar gesät und wer Lost Place-Fan ist, kommt hier auf seine Kosten. Wie ihr wisst ist die Welt aber schnelllebig und Lost Places bleiben nicht ewig lost, sondern werden abgerissen oder restauriert. Plane deine Tour also am besten noch heute 😉.

Beitrag erstellt 31

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben